In
Amsterdam herrschte leichter Nieselregen als die Boeing 747 die tief hängenden
Wolken durchbrach und zur Landung ansetzte. Zeitgleich fuhr am Flughafen eine
gepanzerte Limousine vor, der vier Männer in dunklen Anzügen entstiegen. Drei
der athletisch gebauten Bodyguards betraten die riesige Eingangshalle und gingen
zur Gangway. Eine Rolltreppe brachte sie in die obere Ebene. Jo Potter, ein
Muskelpaket, dessen Anzug aus allen Nähten zu platzen drohte, schüttelte eine
Zigarette aus der Packung und musterte, während er sie in Brand steckte,
unauffällig die herumstehenden Männer. Einige unterhielten sich, ohne Notiz von
den Bodyguards zu nehmen, andere studierten gelangweilt die Anzeigentafeln. Jo
Potter traute keinem der größtenteils gut gekleideten Herren. Fahnder
verstanden es, sich zu tarnen. Er fühlte ihre Gegenwart und er fragte sich, in
welcher Ecke sie lauerten. „Ihr wisst, was zu tun ist“, sagte er zwischen zwei
Zügen zu seinen Begleitern. „Ich möchte keine Überraschung erleben.“
Der
dunkelhäutige Bodyguard demonstrierte Gelassenheit, doch er war innerlich
angespannt. Er erwartete James Patterson, Patenname Eaton, der als
amerikanischer Industrieller getarnt mit erstklassig gefälschten Pässen aus New
York anreiste.
Es vergingen zehn Minuten, bis die ersten Passagiere mit leichtem
Handgepäck erschienen, gefolgt von Patterson. Niemand beachtete den grau
melierten Amerikaner im dunklen Mantel, der zu einen der mächtigsten Mafia
Bossen der Vereinigten Staaten zählte. Er begrüßte Jo Potter mit Handschlag,
während er seinen Partnern nur kurz zunickte.
Vor der Halle
wartete die schwere Mercedes Limousine. Patterson nahm im Fond Platz und
forderte den Fahrer auf, sich zu beeilen.
Pattersons
Pünktlichkeit war legendär. Die elf Konferenzteilnehmer, die über verschiedene
europäische Länder angereist waren, konnten sich darauf verlassen, dass der
Vorsitzende sich keine Ruhepause gönnen würde, um die internationale Konferenz
pünktlich um 17.00 Uhr zu eröffnen. Für die Sicherheit der hochkarätigen
Vertreter der Mafia sorgten bewaffnete Mafiosi, die sich im Foyer und auf den
Gängen der Nobelherberge aufhielten.
James Patterson
wurde von den Bodyguards in einen der sechs großen Konferenzräume begleitet, wo
er mit verhaltenem Achtungsapplaus begrüßt wurde.
Die von den
Konferenzteilnehmern vertretenen Organisationen verfügten über ein fein
gesponnenes Netzwerk internationaler Kontakte. Ihr erklärtes Ziel, in legale
weltweite Unternehmen einzudringen, stand auf der Tagesordnung. Raffinierte Methoden
der Geldwäsche waren entwickelt worden, um ihre illegalen Einkünfte, die allein
im Drogenhandel mehrere Hundert Milliarden betrugen, verwenden zu können.
Erstmals nahmen zwei Vertreter einer russischen Vereinigung an
der Konferenz teil. Wie erwartet, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Die
Syndikate in den USA waren dahinter gekommen, dass sich Vertreter der
russischen und italienischen Mafia hinter ihrem Rücken getroffen hatten, um
über eine mögliche Zusammenarbeit in Deutschland zu verhandeln. Außerdem missfiel
den Amerikanern, dass die sizilianische Cosa Nostra mit den Medellin- und
Calikartellen in Kolumbien Geschäfte machte, die wiederum mit Hilfe der
russischen Organisation Rauschgift in allen baltischen und osteuropäischen
Staaten verkaufte.
Die Konferenz drohte zu platzen. Doch Kraft seiner Autorität
gelang es dem Vorsitzenden schließlich die erhitzten Gemüter wieder zu beruhigen.
Nachdem alle Teilnehmer wieder an den Verhandlungstisch zurückgekehrt
waren, erläuterte Patterson die Modalitäten einer internationalen Corporation.
Am Ende seines einstündigen Vortrags resümierte er: „Um unsere Ziele zu
erreichen, stellten unsere Banken in Westafrika, die wir gekauft haben, hohe
Summen bereit, um die Telekommunikationseinrichtungen dieser Institute auf den
neuesten Stand zu bringen. Bei diesen Banken können unsere Mitglieder nunmehr
sorglos und unkontrolliert hohe Summen einzahlen, die dann zu rechtschaffenen
Großbanken in Europa und den USA transferiert werden. Und wenn es gelingt,
unser Kapital in amerikanische Staatsanleihen oder Wertpapiere anderer
amerikanischer Institutionen zu investieren, die Milliarden brauchen, um ihre
Haushaltsdefizite zu stopfen, wird unser Einfluss auf die US-Regierung zunehmen.“
Michail Luschkow, ein Pate der Solnzewskaja, der den Drogenhandel
in Deutschland kontrollierte, meldete sich zu Wort: „Es ist uns nicht
entgangen, dass sich Ihre Familie verstärkt in Europa etabliert. Speziell in
Deutschland. Haben Sie vor, Ihr Kapital auch in deutsche Staatsanleihen zu
investieren, um die Haushaltsdefizite der Bundesregierung zu stopfen?“
Genau das, dachte Eaton, haben wir vor. Doch er war nicht gewillt,
Michail Luschkow die Strategie der westlichen Allianz zu erläutern, die sich
zum Ziel gesetzt hatte, in naher Zukunft auch auf die europäischen Regierungen
Einfluss zu nehmen. Absolute Priorität hatte Deutschland. Widerwillig erklärte
er: „Auf keinen Fall werden wir den zweiten Schritt vor dem Ersten tun, Michail.“
„Das ist keine Antwort auf meine Frage“, erwiderte Luschkow nicht
ohne Schärfe. „Außerdem ist uns nicht entgangen, dass der erste Schritt bereits
getan ist.“
„Das ist richtig“, räumte Eaton ein. „Aber es handelt sich um
kleine Schritte, Michail. Wir sondieren.“
Luschkow stieß ein verächtliches Lachen aus. „Versuchen Sie
nicht, uns für dumm zu verkaufen, Eaton. Wir wissen, dass die Zeit der
Sondierung der Vergangenheit angehört.
„Dann wissen Sie mehr als ich“, antwortete der Vorsitzende
freundlich. „Nein, Michail, das ist nicht der Fall.“
„Na schön. Dann lassen Sie mich meine Frage anders formulieren:
Wer von den Mitgliedern der Allianz beabsichtigt die Industrie in Deutschland
zu kontrollieren?“
„Darüber“, erwiderte Patterson
zögernd, „wird demnächst eine internationale Konferenz entscheiden.“
Luschkows Begleiter, ein stiernackiger Russe mit kahlem Schädel, meldete
sich zu Wort. „Wann, Eaton?“
„Ein Termin
steht noch nicht fest, Stanislaw.“
„Dann
sollten wir uns heute auf einen Termin einigen.“
Der
Vorsitzende schüttelte den Kopf. „Wir sind nicht zusammen gekommen, um einen
Termin für diese Konferenz festzulegen.“
Die
Augen des kahlköpfigen Russen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Ich warne Sie, Eaton! Wir werden
nicht zulassen, dass die westlichen Organisationen die wichtigsten Industrieunternehmen
im Alleingang übernehmen..“
Antonio
Colletti, ein aus Italien angereister Pate, meldete sich zu Wort. „Ich kann
Ihre Sorgen nicht nachvollziehen, Stanislaw. Wir haben immerhin mit dem
Basinger Konzern das erste gemeinsame Projekt in Angriff genommen.“
„So ist
es!“ nickte Kevin, ein hoch gewachsener New Yorker, dessen Äußeres mehr an
einen smarten Industriellen erinnerte als an einen der hart gesottensten
Gangster der Vereinigten Staaten. Er wandte sich an einen rothaarigen
Amerikaner mit Bürstenschnitt: „Wie weit seid ihr inzwischen mit dem
Pharmakonzern, Jonny? Die Familien erwarten endlich Resultate.“
Der in
Deutschland lebende Texaner, der unter dem Decknamen Jonny angereist war,
registrierte den unterschwelligen Vorwurf. Er steckte sich eine Zigarette in
Brand und erklärte: „Die Basingers sind am Aussterben.“
Der gelassene Ton reizte Kevin. „Mein Gott, Jonny! Das dauert
aber nun schon Jahre.“
„Zugegeben. Aber der alte Basinger hatte nun mal vier Söhne.“
„Um so mehr erstaunt mich die sanfte Tour, mit der ihr vorgeht,
Jonny. Wieso eigentlich?“
„Weil in
Germany Morde an Prominenten immer noch mächtig Staub aufwirbeln“, erklärte
Jonny sachlich. „Wir können die letzten Söhne des alten Basinger nicht so ohne
weiteres liquidieren.“
„Auf welche
Weise ihr die Brüder beseitigt, ist mir egal“, sagte Kevin gereizt. „Aber tut
es endlich.“
„Wir
haben einen Zeitplan“, erwiderte Jonny verärgert. „Und den werden wir
einhalten.“
„Es
spricht nichts dagegen, wenn wir unser Ziel früher als geplant erreichen. Wie
viele leben denn noch?“
„Zwei.“ Jonny, der Sohn des Paten, der seit der Wiedervereinigung
ganz Deutschland kontrollierte, lehnte sich im Sessel zurück. „Harald Basinger,
das ist der derzeitige Vorstandsvorsitzende, macht aber nicht mehr lange.“
„Das ist
mir zu unpräzise, Jonny. Wie lange hat er noch zu leben?“
„Leon,
unser Mann im Konzern, meint, maximal drei Wochen.“
„Okay,
Jonny.“ Mit einer Bewegung, die etwas Endgültiges an sich hatte, drückte Kevin
seine Zigarette im Aschenbecher aus. „Lassen wir Harald Basinger in Würde
sterben. Aber wir werden nicht noch ein weiteres Jahr warten, bis der letzte
Basinger an seiner Krankheit stirbt.“
„Und
wieso die plötzliche Eile?“
„Ich
verstehe Ihre Frage nicht, Jonny. Wir haben drei Milliarden Dollar bereit
gestellt, um die Aktienmehrheit des Konzerns zu erwerben. Das ist totes
Kapital, wenn nicht bald was geschieht. Also tut endlich was!“
„Wir tun
seit vier Jahren nichts anderes“, erwiderte Jonny gereizt.
„Aber
offensichtlich nicht genug!“ gab Kevin im gleichen Ton zurück. „Handeln ist
angesagt, okay?“
„Eines
möchte ich klarstellen: Wir leben hier nicht im Wilden Westen. Wenn wir einen
Killer auf Alexander Basinger ansetzen, müssen wir damit rechnen, schlafende
Hunde zu wecken. Dieses Risiko, Kevin, werde ich nicht eingehen.“
„Ach
hören Sie auf, Jonny!“ widersprach Antonio Colletti. „Ich sehe kein Risiko.
Nicht das geringste.“
Jonny
runzelte unwillig die Stirn. Er hatte es satt, sich verteidigen zu müssen.
„Antonio“, sagte er im ärgerlichen Ton. „Als
unsere Familien den Beschluss fassten, den Konzern mehrheitlich zu
übernehmen, waren wir uns darüber einig, dass wir äußerst behutsam vorgehen müssen.“
„Und was
hatten wir davon?“ Colletti sah sich Beifall heischend im Raum um. „Seit vier
Jahren warten wir auf den Tag, an dem Leon den Vorsitz übernimmt. Aber wenn ich
Jonnys Worte richtig interpretiere, dann ist noch immer kein Ende abzusehen.“
„Legen
Sie mir nichts in den Mund, was ich nicht gesagt habe“, verlangte Jonny
verärgert. „Ich habe lediglich den Konsens unserer Beschlüsse widergegeben. Und
noch eines sollten Sie wissen: Wenn wir nur einen einzigen Basinger nach eueren
Methoden umgebracht hätten, wären unsere Pläne gescheitert. Nein, Antonio,
unsere Strategie, innerhalb von fünf Jahren den Konzern zu übernehmen, war die
einzig richtige. Es geht schließlich um ein Milliardenunternehmen. Da lohnt es
sich schon mal, sich in Geduld zu üben.“
Silvio,
ein in Deutschland lebender Pate der Cosa Nostra, machte seiner Unzufriedenheit
Luft: „Geduld bedeutet Zeitverschwendung.“
„Nein,
Sylvio. Nicht in diesem Fall.“
„Ohne
mich“, entschied der Italiener. „Ich sehe keinen Grund, die Angelegenheit auf
die lange Bank zu schieben. Seit vier
Jahren tanzen wir ums goldene Kalb, ohne es zu schlachten. Es wird Zeit, Nägel
mit Köpfen zu machen.“ Nach diesen Worten wandte er sich an den Vorsitzenden.
„Ich beantrage deshalb, Alexander Basinger jetzt schon zu liquidieren und nicht
zu warten, bis sein Bruder das Zeitliche segnet.“
Jonny
stieß vernehmlich die Luft aus. „Es gibt ein italienisches Sprichwort: Schüre
nie das Feuer mit dem Schwert.“
„Ich
schüre nicht“, entgegnete der Italiener erregt. „Was ich verlange, sind Taten!
Und mit dieser Forderung stehe ich nicht allein da.“
„Wir
dürfen nicht den Fehler machen, kurz vor dem Ziel unsere bewährte Taktik
aufzugeben“, verteidigte Jonny seine Strategie. „Zu viel steht auf dem Spiel.“
„Mamma mia! Wo liegt das Problem?“
„Okay,
ich bringe es mal auf den Punkt“, sagte Jonny, mühsam beherrscht. „Wenn wir den
letzten Basinger beseitigen, dann könnte der alte Basinger auf die Idee kommen,
dass wir auch seine bereits verstorbenen Söhne auf dem Gewissen haben. Und das
würde uns ziemlich sauer aufstoßen!“
Der
Vorsitzende nickte zustimmend. „Jonny hat Recht.“
Colletti
hob ungläubig die Brauen. „Das verstehe ich nicht. Ich dachte, Sie wären unserer
Meinung?“
„Das war
ich auch. Aber inzwischen stehen wir vor einem Problem, mit dem wir nicht gerechnet
hatten.“
„Probleme sind dazu da, um beseitigt zu werden“, bemerkte Sylvio
großspurig. „Oder hatten wir jemals Schwierigkeiten damit, Probleme aus der
Welt zu schaffen?“
„Natürlich nicht. Doch dieses Problem müssen wir mit sehr viel
Fingerspitzengefühl angehen. Nach Ihren Methoden, Silvio, Jonny sagte es
bereits, würden wir unsere Ziele gefährden.“
Der
Teilnehmer aus dem Gastgeberland schaute sich fragend um, musterte jeden
einzelnen. „Verstehen Sie das? Ich jedenfalls nicht.“
„Ich
werde es Ihnen erklären.“ Eaton warf einen kurzen Blick auf eine Notiz, die ihm
Jonny vor fünf Tagen übermittelt hatte. „Wie Sie wissen, rechneten wir damit,
dass Leon nach Harald Basingers Tod stellvertretender Vorstandsvorsitzende
wird. Nun konnte Jonny in Erfahrung bringen, dass der Aufsichtsrat Elaine
Basinger favorisiert.
Der
Holländer hob angewidert die buschigen Brauen. „Eine Frau?“
Der
Vorsitzende nickte. „Es handelt sich um die Enkelin des
Aufsichtsratvorsitzenden.“
„Also,
von Beruf Enkelin?“
„Nein,
das ist nicht der Fall, John. Wirklich nicht. Diese Frau wäre der richtige
Mann. Leider nicht für uns.“
„Und
wieso nicht?“
„Weil
auch sie eine Erhöhung des Aktienkapitals strikt ablehnt.“
„Die
Lady stehlt also unseren Plänen im Weg?“
„Okay“, nickte der Holländer.
„Das habe ich begriffen. Wie wäre es mit einem Verkehrsunfall?“
„Nein, Sylvio. Das wäre
unserer Sache nicht dienlich.“
„Und
wieso nicht?“
„Weil
der alte Basinger, wenn seiner Enkelin etwas passieren würde, in den Vorstand
zurückkehrt.“
„Was
kann uns denn Besseres passieren?“ schaltete sich Colletti ein. „Der Mann ist
vierundneunzig.“
„Nicht
alt genug, um die Satzung zu ändern. Und das hätte für uns fatale Folgen.“
„Inwiefern?“
„Eine Satzungsänderung könnte
beispielsweise dazu führen, dass künftig nicht mehr der Vorstandsvorsitzende
allein über eine Erhöhung des Aktienkapitals entscheidet.“
„Sondern?“
„Die
Aktionäre. Durch Mehrheitsbeschluss.“
„Und wo
liegt das Problem? Wenn wir den Aktionären die Aktien abkaufen, bestimmen wir
wo’s lang geht.“
„Na
klar“, erwiderte Jonny mit einem spöttischen Unterton in der Stimme. „Die
warten ja nur darauf, uns ihre hoch im Kurs stehenden Aktien in den Rachen
stopften zu können.“
„Das ist nur eine Frage des Angebots.“
Jonny
lächelte überlegen. „Selbst wenn der Deal gelingen würde, was ich bezweifle, hätten
wir noch lange nicht die erforderliche Mehrheit.“
„Und wieso nicht?“
„Weil
die Basingers einundsechzig Prozent der Aktien besitzen: Kurswert zweikommaneun
Milliarden Dollar und eine sichere Dividende von neunzehn Prozent. Kapiert, worum
es geht?“
Silvio
verzog den Mund. Die Antwort kam prompt: „Antonio sagte es bereits: Der alte
Basinger ist vierundneunzig. Er wird den Tod seiner letzten Söhne ebenso wenig
verkraften wie das Ableben seiner Enkelin.“
„Nein,
Silvio, da irren Sie sich.“ Jonnys Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen.
„Und kommen Sie mir nicht auf die Idee, den alten Basinger ins Jenseits zu
befördern. Okay?“
Ein
mörderisches Licht flackerte in Silvios Augen. „Ich möchte wissen woher Sie den
Mut nehmen...“
Der
Vorsitzende schnitt ihm das Wort ab. „Entweder Sie tragen nützliches zur Sache
bei, Silvio, oder Sie schweigen besser.“
Der
Italiener zuckte zusammen. Eatons Zurechtweisung nagte an seinem Stolz, aber er
hielt es für ratsam, der Aufforderung des Vorsitzenden nachzukommen. Das
verlangte der Respekt.
Einen
Moment lang herrschte betretenes Schweigen. Als Eaton sich mit veränderter
Stimme wieder an Sylvio wandte, entspannte sich die Atmosphäre. „Wenn Sie also
einen Vorschlag zu machen haben, Silvio, dann lassen Sie ihn uns wissen.“
Silvio
räusperte sich. „Okay. Mein Vorschlag wäre, Alexander Basinger und seine Nichte
zu liquidieren. In einem Aufwasch. Gelegenheiten dazu gibt es wie ich meine
ohne Ende.“
Der Mann
aus Österreich, der sich bisher aus allen Debatten herausgehalten hatte,
starrte den Italiener ungläubig an. „Das kann doch nicht Ihr Ernst sein,
Silvio? Alles aufs Spiel setzen, wegen ein paar Monaten?“
„Nein.
Ich teile natürlich Kevins Meinung, dass nicht die Spur eines Verdachts auf uns
fallen darf.“
„Das
wird auch nicht der Fall sein, Silvio.“ Jonny drückte seine Zigarette im
Aschenbecher zu Tode. „Ein Mord kommt nicht in Frage. Die Gründe kennen Sie.“
Der
Holländer wandte sich an den Vorsitzenden: „Tut mir Leid, aber in diesem Punkt
muss ich Jonny widersprechen. Wie wollen wir diese Frau denn loswerden, wenn
nicht durch ihren Tod?“
Der
Vorsitzende antwortete nicht sofort. Nach kurzer Überlegung entschied er: „Ich
werde einen Mann mit internationaler Erfahrung beauftragen, das Problem in
unserem Sinn zu lösen. Es handelt sich um einen Auftragskiller mit sehr viel
Fantasie.“
„Die
wird er auch brauchen“, bemerkte Jonny unfroh. Die Entwicklung gefiel ihm
nicht. „Wann reden Sie mit ihm?“
„An ihn
kommt niemand persönlich heran. Er nimmt Aufträge nur verschlüsselt entgegen.
Wir machen ihm ein Angebot und wenn es ihm zusagt, erledigt er den Auftrag.“
„Gut.“
Der kantige Schädel Michail Luschkows deutete ein zufriedenes Nicken an.
„Nachdem dieser Punkt geklärt ist, sollten wir jetzt über die Aufteilung der Gebiete
verhandeln.“
Der
Vorsitzende runzelte unwillig die Stirn. „Dieses Thema steht nicht auf der
Tagesordnung, Michail.“
„Dann
beantrage ich, dieses Thema nachträglich auf die Tagesordnung zu setzen.“
„Nein.“
Der Vorsitzende schüttelte den Kopf. „Das würde den Rahmen dieser Konferenz
sprengen. Aber bitte, stimmen wir ab.“
Eaton
hatte nichts anderes erwartet. Zehn Konferenzteilnehmer stimmten gegen den
Antrag der russischen Delegation. Er wandte sich an Luschkow: „Ich hoffe, Sie
respektieren diese Entscheidung, Michail. Aber ich kann Ihnen versichern, dass
die Familien rechtzeitig ein Konzept auf den Tisch legen.“
„Was
verstehen Sie unter rechtzeitig?“
„Es
kommt nicht darauf an, was ich darunter verstehe, Michail. Das ist eine
Angelegenheit über die unsere Familien gemeinsam entscheiden werden.“
„Das
dauert uns zu lang“, erwiderte Luschkow unwirsch. „Mir liegt daran, unsere
Wünsche zu konkretisieren und in das Konzept einzubringen. Jetzt!“
„Dazu
fehlt uns die Zeit“, entschied der Vorsitzende nach einem kurzen Blick auf
seine Armbanduhr. „Wir werden dieses Thema auf die Tagesordnung unserer
nächsten Konferenz setzen.“
Luschkow, der auf der Suche nach Kapitalanlagen war, um Drogengelder zu
waschen, blieb hart. „Ich verlange, dass dieses Thema noch heute erörtert wird.
„Tut mir Leid“, entgegnete Eaton leicht
verstimmt. „Sie werden sich bis zur nächsten Konferenz gedulden müssen..“
„Ich warne Sie, Eaton! Ihr Starrsinn kann zu
unnötigen Konflikten zwischen den Organisationen führen.“
„Damit können wir leben.“
Zwei
finster blickende Russen erhoben sich von ihren Stühlen und verließen grußlos
den Raum.
Eaton
zuckte die Achseln. „Das war's dann wohl. Die Sitzung ist beendet. Ich wünsche
Ihnen eine gute Heimreise.“
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