Peter Anders

Der Konzern - Im Netz der Mafia

 

In Amsterdam herrschte leichter Nieselregen als die Boeing 747 die tief hängenden Wolken durchbrach und zur Landung ansetzte. Zeitgleich fuhr am Flughafen eine gepanzerte Limousine vor, der vier Männer in dunklen Anzügen entstiegen. Drei der athletisch gebauten Bodyguards betraten die riesige Eingangshalle und gingen zur Gangway. Eine Rolltreppe brachte sie in die obere Ebene. Jo Potter, ein Muskelpaket, dessen Anzug aus allen Nähten zu platzen drohte, schüttelte eine Zigarette aus der Packung und musterte, während er sie in Brand steckte, unauffällig die herumstehenden Männer. Einige unterhielten sich, ohne Notiz von den Bodyguards zu nehmen, andere studierten gelangweilt die Anzeigentafeln. Jo Potter traute keinem der größtenteils gut gekleideten Herren. Fahnder verstanden es, sich zu tarnen. Er fühlte ihre Gegenwart und er fragte sich, in welcher Ecke sie lauerten. „Ihr wisst, was zu tun ist“, sagte er zwischen zwei Zügen zu seinen Begleitern. „Ich möchte keine Überraschung erleben.“

Der dunkelhäutige Bodyguard demonstrierte Gelassenheit, doch er war innerlich angespannt. Er erwartete James Patterson, Patenname Eaton, der als amerikanischer Industrieller getarnt mit erstklassig gefälschten Pässen aus New York anreiste.

Es vergingen zehn Minuten, bis die ersten Passagiere mit leichtem Handgepäck erschienen, gefolgt von Patterson. Niemand beachtete den grau melierten Amerikaner im dunklen Mantel, der zu einen der mächtigsten Mafia Bossen der Vereinigten Staaten zählte. Er begrüßte Jo Potter mit Handschlag, während er seinen Partnern nur kurz zunickte.

Vor der Halle wartete die schwere Mercedes Limousine. Patterson nahm im Fond Platz und forderte den Fahrer auf, sich zu beeilen.

Pattersons Pünktlichkeit war legendär. Die elf Konferenzteilnehmer, die über verschiedene europäische Länder angereist waren, konnten sich darauf verlassen, dass der Vorsitzende sich keine Ruhepause gönnen würde, um die internationale Konferenz pünktlich um 17.00 Uhr zu eröffnen. Für die Sicherheit der hochkarätigen Vertreter der Mafia sorgten bewaffnete Mafiosi, die sich im Foyer und auf den Gängen der Nobelherberge aufhielten.

James Patterson wurde von den Bodyguards in einen der sechs großen Konferenzräume begleitet, wo er mit verhaltenem Achtungsapplaus begrüßt wurde.

Die von den Konferenzteilnehmern vertretenen Organisationen verfügten über ein fein gesponnenes Netzwerk internationaler Kontakte. Ihr erklärtes Ziel, in legale weltweite Unternehmen einzudringen, stand auf der Tagesordnung. Raffinierte Methoden der Geldwäsche waren entwickelt worden, um ihre illegalen Einkünfte, die allein im Drogenhandel mehrere Hundert Milliarden betrugen, verwenden zu können.

Erstmals nahmen zwei Vertreter einer russischen Vereinigung an der Konferenz teil. Wie erwartet, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Syndikate in den USA waren dahinter gekommen, dass sich Vertreter der russischen und italienischen Mafia hinter ihrem Rücken getroffen hatten, um über eine mögliche Zusammenarbeit in Deutschland zu verhandeln. Außerdem missfiel den Amerikanern, dass die sizilianische Cosa Nostra mit den Medellin- und Calikartellen in Kolumbien Geschäfte machte, die wiederum mit Hilfe der russischen Organisation Rauschgift in allen baltischen und osteuropäischen Staaten verkaufte.

Die Konferenz drohte zu platzen. Doch Kraft seiner Autorität gelang es dem Vorsitzenden schließlich die erhitzten Gemüter wieder zu beruhigen.

Nachdem alle Teilnehmer wieder an den Verhandlungstisch zurückgekehrt waren, erläuterte Patterson die Modalitäten einer internationalen Corporation. Am Ende seines einstündigen Vortrags resümierte er: „Um unsere Ziele zu erreichen, stellten unsere Banken in Westafrika, die wir gekauft haben, hohe Summen bereit, um die Telekommunikationseinrichtungen dieser Institute auf den neuesten Stand zu bringen. Bei diesen Banken können unsere Mitglieder nunmehr sorglos und unkontrolliert hohe Summen einzahlen, die dann zu rechtschaffenen Großbanken in Europa und den USA transferiert werden. Und wenn es gelingt, unser Kapital in amerikanische Staatsanleihen oder Wertpapiere anderer amerikanischer Institutionen zu investieren, die Milliarden brauchen, um ihre Haushaltsdefizite zu stopfen, wird unser Einfluss auf die US-Regierung zunehmen.“ 

Michail Luschkow, ein Pate der Solnzewskaja, der den Drogenhandel in Deutschland kontrollierte, meldete sich zu Wort: „Es ist uns nicht entgangen, dass sich Ihre Familie verstärkt in Europa etabliert. Speziell in Deutschland. Haben Sie vor, Ihr Kapital auch in deutsche Staatsanleihen zu investieren, um die Haushaltsdefizite der Bundesregierung zu stopfen?“

Genau das, dachte Eaton, haben wir vor. Doch er war nicht gewillt, Michail Luschkow die Strategie der westlichen Allianz zu erläutern, die sich zum Ziel gesetzt hatte, in naher Zukunft auch auf die europäischen Regierungen Einfluss zu nehmen. Absolute Priorität hatte Deutschland. Widerwillig erklärte er: „Auf keinen Fall werden wir den zweiten Schritt vor dem Ersten tun, Michail.“

„Das ist keine Antwort auf meine Frage“, erwiderte Luschkow nicht ohne Schärfe. „Außerdem ist uns nicht entgangen, dass der erste Schritt bereits getan ist.“

„Das ist richtig“, räumte Eaton ein. „Aber es handelt sich um kleine Schritte, Michail. Wir sondieren.“

Luschkow stieß ein verächtliches Lachen aus. „Versuchen Sie nicht, uns für dumm zu verkaufen, Eaton. Wir wissen, dass die Zeit der Sondierung der Vergangenheit angehört.

„Dann wissen Sie mehr als ich“, antwortete der Vorsitzende freundlich. „Nein, Michail, das ist nicht der Fall.“

„Na schön. Dann lassen Sie mich meine Frage anders formulieren: Wer von den Mitgliedern der Allianz beabsichtigt die Industrie in Deutschland zu kontrollieren?“

„Darüber“, erwiderte Patterson zögernd, „wird demnächst eine internationale Konferenz entscheiden.“

Luschkows Begleiter, ein stiernackiger Russe mit kahlem Schädel, meldete sich zu Wort. „Wann, Eaton?“

„Ein Termin steht noch nicht fest, Stanislaw.“

„Dann sollten wir uns heute auf einen Termin einigen.“

Der Vorsitzende schüttelte den Kopf. „Wir sind nicht zusammen gekommen, um einen Termin für diese Konferenz festzulegen.“

Die Augen des kahlköpfigen Russen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Ich warne Sie, Eaton! Wir werden nicht zulassen, dass die westlichen Organisationen die wichtigsten Industrieunternehmen im Alleingang übernehmen..“

Antonio Colletti, ein aus Italien angereister Pate, meldete sich zu Wort. „Ich kann Ihre Sorgen nicht nachvollziehen, Stanislaw. Wir haben immerhin mit dem Basinger Konzern das erste gemeinsame Projekt in Angriff genommen.“

„So ist es!“ nickte Kevin, ein hoch gewachsener New Yorker, dessen Äußeres mehr an einen smarten Industriellen erinnerte als an einen der hart gesottensten Gangster der Vereinigten Staaten. Er wandte sich an einen rothaarigen Amerikaner mit Bürstenschnitt: „Wie weit seid ihr inzwischen mit dem Pharmakonzern, Jonny? Die Familien erwarten endlich Resultate.“

Der in Deutschland lebende Texaner, der unter dem Decknamen Jonny angereist war, registrierte den unterschwelligen Vorwurf. Er steckte sich eine Zigarette in Brand und erklärte: „Die Basingers sind am Aussterben.“

Der gelassene Ton reizte Kevin. „Mein Gott, Jonny! Das dauert aber nun schon Jahre.“

„Zugegeben. Aber der alte Basinger hatte nun mal vier Söhne.“

„Um so mehr erstaunt mich die sanfte Tour, mit der ihr vorgeht, Jonny. Wieso eigentlich?“

„Weil in Germany Morde an Prominenten immer noch mächtig Staub aufwirbeln“, erklärte Jonny sachlich. „Wir können die letzten Söhne des alten Basinger nicht so ohne weiteres liquidieren.“

„Auf welche Weise ihr die Brüder beseitigt, ist mir egal“, sagte Kevin gereizt. „Aber tut es endlich.“

„Wir haben einen Zeitplan“, erwiderte Jonny verärgert. „Und den werden wir einhalten.“

„Es spricht nichts dagegen, wenn wir unser Ziel früher als geplant erreichen. Wie viele leben denn noch?“

„Zwei.“ Jonny, der Sohn des Paten, der seit der Wiedervereinigung ganz Deutschland kontrollierte, lehnte sich im Sessel zurück. „Harald Basinger, das ist der derzeitige Vorstandsvorsitzende, macht aber nicht mehr lange.“

„Das ist mir zu unpräzise, Jonny. Wie lange hat er noch zu leben?“

„Leon, unser Mann im Konzern, meint, maximal drei Wochen.“

„Okay, Jonny.“ Mit einer Bewegung, die etwas Endgültiges an sich hatte, drückte Kevin seine Zigarette im Aschenbecher aus. „Lassen wir Harald Basinger in Würde sterben. Aber wir werden nicht noch ein weiteres Jahr warten, bis der letzte Basinger an seiner Krankheit stirbt.“

„Und wieso die plötzliche Eile?“

„Ich verstehe Ihre Frage nicht, Jonny. Wir haben drei Milliarden Dollar bereit gestellt, um die Aktienmehrheit des Konzerns zu erwerben. Das ist totes Kapital, wenn nicht bald was geschieht. Also tut endlich was!“

„Wir tun seit vier Jahren nichts anderes“, erwiderte Jonny gereizt.

„Aber offensichtlich nicht genug!“ gab Kevin im gleichen Ton zurück. „Handeln ist angesagt, okay?“

 „Eines möchte ich klarstellen: Wir leben hier nicht im Wilden Westen. Wenn wir einen Killer auf Alexander Basinger ansetzen, müssen wir damit rechnen, schlafende Hunde zu wecken. Dieses Risiko, Kevin, werde ich nicht eingehen.“

„Ach hören Sie auf, Jonny!“ widersprach Antonio Colletti. „Ich sehe kein Risiko. Nicht das geringste.“

Jonny runzelte unwillig die Stirn. Er hatte es satt, sich verteidigen zu müssen. „Antonio“, sagte er im ärgerlichen Ton. „Als  unsere Familien den Beschluss fassten, den Konzern mehrheitlich zu übernehmen, waren wir uns darüber einig, dass wir äußerst behutsam vorgehen müssen.“

„Und was hatten wir davon?“ Colletti sah sich Beifall heischend im Raum um. „Seit vier Jahren warten wir auf den Tag, an dem Leon den Vorsitz übernimmt. Aber wenn ich Jonnys Worte richtig interpretiere, dann ist noch immer kein Ende abzusehen.“

„Legen Sie mir nichts in den Mund, was ich nicht gesagt habe“, verlangte Jonny verärgert. „Ich habe lediglich den Konsens unserer Beschlüsse widergegeben. Und noch eines sollten Sie wissen: Wenn wir nur einen einzigen Basinger nach eueren Methoden umgebracht hätten, wären unsere Pläne gescheitert. Nein, Antonio, unsere Strategie, innerhalb von fünf Jahren den Konzern zu übernehmen, war die einzig richtige. Es geht schließlich um ein Milliardenunternehmen. Da lohnt es sich schon mal, sich in Geduld zu üben.“

Silvio, ein in Deutschland lebender Pate der Cosa Nostra, machte seiner Unzufriedenheit Luft: „Geduld bedeutet Zeitverschwendung.“

„Nein, Sylvio. Nicht in diesem Fall.“

„Ohne mich“, entschied der Italiener. „Ich sehe keinen Grund, die Angelegenheit auf die lange Bank zu schieben. Seit vier Jahren tanzen wir ums goldene Kalb, ohne es zu schlachten. Es wird Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen.“ Nach diesen Worten wandte er sich an den Vorsitzenden. „Ich beantrage deshalb, Alexander Basinger jetzt schon zu liquidieren und nicht zu warten, bis sein Bruder das Zeitliche segnet.“

Jonny stieß vernehmlich die Luft aus. „Es gibt ein italienisches Sprichwort: Schüre nie das Feuer mit dem Schwert.“

„Ich schüre nicht“, entgegnete der Italiener erregt. „Was ich verlange, sind Taten! Und mit dieser Forderung stehe ich nicht allein da.“

„Wir dürfen nicht den Fehler machen, kurz vor dem Ziel unsere bewährte Taktik aufzugeben“, verteidigte Jonny seine Strategie. „Zu viel steht auf dem Spiel.“

„Mamma mia! Wo liegt das Problem?“

„Okay, ich bringe es mal auf den Punkt“, sagte Jonny, mühsam beherrscht. „Wenn wir den letzten Basinger beseitigen, dann könnte der alte Basinger auf die Idee kommen, dass wir auch seine bereits verstorbenen Söhne auf dem Gewissen haben. Und das würde uns ziemlich sauer aufstoßen!“

Der Vorsitzende nickte zustimmend. „Jonny hat Recht.“

Colletti hob ungläubig die Brauen. „Das verstehe ich nicht. Ich dachte, Sie wären unserer Meinung?“

„Das war ich auch. Aber inzwischen stehen wir vor einem Problem, mit dem wir nicht gerechnet hatten.“

„Probleme sind dazu da, um beseitigt zu werden“, bemerkte Sylvio großspurig. „Oder hatten wir jemals Schwierigkeiten damit, Probleme aus der Welt zu schaffen?“

„Natürlich nicht. Doch dieses Problem müssen wir mit sehr viel Fingerspitzengefühl angehen. Nach Ihren Methoden, Silvio, Jonny sagte es bereits, würden wir unsere Ziele gefährden.“

Der Teilnehmer aus dem Gastgeberland schaute sich fragend um, musterte jeden einzelnen. „Verstehen Sie das? Ich jedenfalls nicht.“

„Ich werde es Ihnen erklären.“ Eaton warf einen kurzen Blick auf eine Notiz, die ihm Jonny vor fünf Tagen übermittelt hatte. „Wie Sie wissen, rechneten wir damit, dass Leon nach Harald Basingers Tod stellvertretender Vorstandsvorsitzende wird. Nun konnte Jonny in Erfahrung bringen, dass der Aufsichtsrat Elaine Basinger favorisiert.

Der Holländer hob angewidert die buschigen Brauen. „Eine Frau?“

Der Vorsitzende nickte. „Es handelt sich um die Enkelin des Aufsichtsratvorsitzenden.“

„Also, von Beruf Enkelin?“

„Nein, das ist nicht der Fall, John. Wirklich nicht. Diese Frau wäre der richtige Mann. Leider nicht für uns.“

„Und wieso nicht?“

„Weil auch sie eine Erhöhung des Aktienkapitals strikt ablehnt.“

„Die Lady stehlt also unseren Plänen im Weg?“

„Okay“, nickte der Holländer. „Das habe ich begriffen. Wie wäre es mit einem Verkehrsunfall?“

„Nein, Sylvio. Das wäre unserer Sache nicht dienlich.“

„Und wieso nicht?“

„Weil der alte Basinger, wenn seiner Enkelin etwas passieren würde, in den Vorstand zurückkehrt.“

„Was kann uns denn Besseres passieren?“ schaltete sich Colletti ein. „Der Mann ist vierundneunzig.“

„Nicht alt genug, um die Satzung zu ändern. Und das hätte für uns fatale Folgen.“

„Inwiefern?“

„Eine Satzungsänderung könnte beispielsweise dazu führen, dass künftig nicht mehr der Vorstandsvorsitzende allein über eine Erhöhung des Aktienkapitals entscheidet.“

„Sondern?“

„Die Aktionäre. Durch Mehrheitsbeschluss.“

„Und wo liegt das Problem? Wenn wir den Aktionären die Aktien abkaufen, bestimmen wir wo’s lang geht.“

„Na klar“, erwiderte Jonny mit einem spöttischen Unterton in der Stimme. „Die warten ja nur darauf, uns ihre hoch im Kurs stehenden Aktien in den Rachen stopften zu können.“

„Das ist nur eine Frage des Angebots.“

Jonny lächelte überlegen. „Selbst wenn der Deal gelingen würde, was ich bezweifle, hätten wir noch lange nicht die erforderliche Mehrheit.“

„Und wieso nicht?“

„Weil die Basingers einundsechzig Prozent der Aktien besitzen: Kurswert zweikommaneun Milliarden Dollar und eine sichere Dividende von neunzehn Prozent. Kapiert, worum es geht?“

Silvio verzog den Mund. Die Antwort kam prompt: „Antonio sagte es bereits: Der alte Basinger ist vierundneunzig. Er wird den Tod seiner letzten Söhne ebenso wenig verkraften wie das Ableben seiner Enkelin.“

„Nein, Silvio, da irren Sie sich.“ Jonnys Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Und kommen Sie mir nicht auf die Idee, den alten Basinger ins Jenseits zu befördern. Okay?“

Ein mörderisches Licht flackerte in Silvios Augen. „Ich möchte wissen woher Sie den Mut nehmen...“

Der Vorsitzende schnitt ihm das Wort ab. „Entweder Sie tragen nützliches zur Sache bei, Silvio, oder Sie schweigen besser.“

Der Italiener zuckte zusammen. Eatons Zurechtweisung nagte an seinem Stolz, aber er hielt es für ratsam, der Aufforderung des Vorsitzenden nachzukommen. Das verlangte der Respekt.

Einen Moment lang herrschte betretenes Schweigen. Als Eaton sich mit veränderter Stimme wieder an Sylvio wandte, entspannte sich die Atmosphäre. „Wenn Sie also einen Vorschlag zu machen haben, Silvio, dann lassen Sie ihn uns wissen.“

Silvio räusperte sich. „Okay. Mein Vorschlag wäre, Alexander Basinger und seine Nichte zu liquidieren. In einem Aufwasch. Gelegenheiten dazu gibt es wie ich meine ohne Ende.“

Der Mann aus Österreich, der sich bisher aus allen Debatten herausgehalten hatte, starrte den Italiener ungläubig an. „Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Silvio? Alles aufs Spiel setzen, wegen ein paar Monaten?“

„Nein. Ich teile natürlich Kevins Meinung, dass nicht die Spur eines Verdachts auf uns fallen darf.“

„Das wird auch nicht der Fall sein, Silvio.“ Jonny drückte seine Zigarette im Aschenbecher zu Tode. „Ein Mord kommt nicht in Frage. Die Gründe kennen Sie.“

Der Holländer wandte sich an den Vorsitzenden: „Tut mir Leid, aber in diesem Punkt muss ich Jonny widersprechen. Wie wollen wir diese Frau denn loswerden, wenn nicht durch ihren Tod?“

Der Vorsitzende antwortete nicht sofort. Nach kurzer Überlegung entschied er: „Ich werde einen Mann mit internationaler Erfahrung beauftragen, das Problem in unserem Sinn zu lösen. Es handelt sich um einen Auftragskiller mit sehr viel Fantasie.“

„Die wird er auch brauchen“, bemerkte Jonny unfroh. Die Entwicklung gefiel ihm nicht. „Wann reden Sie mit ihm?“

„An ihn kommt niemand persönlich heran. Er nimmt Aufträge nur verschlüsselt entgegen. Wir machen ihm ein Angebot und wenn es ihm zusagt, erledigt er den Auftrag.“

„Gut.“ Der kantige Schädel Michail Luschkows deutete ein zufriedenes Nicken an. „Nachdem dieser Punkt geklärt ist, sollten wir jetzt über die Aufteilung der Gebiete verhandeln.“

Der Vorsitzende runzelte unwillig die Stirn. „Dieses Thema steht nicht auf der Tagesordnung, Michail.“

„Dann beantrage ich, dieses Thema nachträglich auf die Tagesordnung zu setzen.“

„Nein.“ Der Vorsitzende schüttelte den Kopf. „Das würde den Rahmen dieser Konferenz sprengen. Aber bitte, stimmen wir ab.“

Eaton hatte nichts anderes erwartet. Zehn Konferenzteilnehmer stimmten gegen den Antrag der russischen Delegation. Er wandte sich an Luschkow: „Ich hoffe, Sie respektieren diese Entscheidung, Michail. Aber ich kann Ihnen versichern, dass die Familien rechtzeitig ein Konzept auf den Tisch legen.“

„Was verstehen Sie unter rechtzeitig?“

„Es kommt nicht darauf an, was ich darunter verstehe, Michail. Das ist eine Angelegenheit über die unsere Familien gemeinsam entscheiden werden.“

„Das dauert uns zu lang“, erwiderte Luschkow unwirsch. „Mir liegt daran, unsere Wünsche zu konkretisieren und in das Konzept einzubringen. Jetzt!“

„Dazu fehlt uns die Zeit“, entschied der Vorsitzende nach einem kurzen Blick auf seine Armbanduhr. „Wir werden dieses Thema auf die Tagesordnung unserer nächsten Konferenz setzen.“

Luschkow, der auf der Suche nach Kapitalanlagen war, um Drogengelder zu waschen, blieb hart. „Ich verlange, dass dieses Thema noch heute erörtert wird.

„Tut mir Leid“, entgegnete Eaton leicht verstimmt. „Sie werden sich bis zur nächsten Konferenz gedulden müssen..“

„Ich warne Sie, Eaton! Ihr Starrsinn kann zu unnötigen Konflikten zwischen den Organisationen führen.“

„Damit können wir leben.“

Zwei finster blickende Russen erhoben sich von ihren Stühlen und verließen grußlos den Raum.

Eaton zuckte die Achseln. „Das war's dann wohl. Die Sitzung ist beendet. Ich wünsche Ihnen eine gute Heimreise.“

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